Tango Argentino – Eine Umarmung (November 2021)

Der argentinische Tango ist faszinierend!

Ein Tango Paar zu sehen, dass mit seinem Tanz die Seele berührt, öffnet das Herz und man weiß intuitiv, so kann Beziehung zwischen Mann und Frau im besten Sinne sein: intim, lustvoll, dem Moment und der Musik hingegeben, spannend, ein fliessendes aufeinander achten und beantworten der Körperimpulse, was das Schönste in der Frau und Edelste im Mann hervorbringt. Es ist spürbar ein Genuss für den Betrachter und eine wunderschöne Erfahrung, miteinander zu tanzen.

So erging es mir vor 20 Jahren als ich mit meinem Mann Tango tanzen lernen wollte.Ich hatte diese Berührung in der Seele erfahren und musste ihr folgen. Doch die Erfahrung Tango zu lernen, war natürlich komplett anders; schwierig, oft frustrierend und nicht selten wollten wir aufgeben. Wir hatten im Unterricht keinen Rahmen um zu lernen, an welche tieferen Themen wir dabei eigentlich kommen und wie wir sie positiv zusammen meistern können.

Aus dieser Erfahrung ist die Idee und Freude in mir gewachsen diesen fehlenden Rahmen für Paare anzubieten. Tango unterrichten in einer Weise, die ermöglicht, auftauchende Beziehungsdynamiken und Stolpersteine als neue Möglichkeit zu erfahren, sich selbst und den Anderen tiefer annehmen zu können und sich für das was zwischen ihnen beim Tango lernen geschieht, in einer Offenheit zu interessieren um so tiefer verbunden leichter und freudvoller tanzen zu können.

Dabei wird mir über die Jahre immer deutlicher, dass der Tango selbst ein faszinierender und weiser Lehrer für Liebe und Intimität ist! Er bringt schnell hervor, was dazwischen kommt wie auch was an Themen, Sehnsüchten und Potenzial im Paar lebt, dass erweckt und seine Schönheit und Tiefe im Tanz, wie im Beziehungsalltag enthüllen will.

Der Argentinische Tango hat keine Tanzhaltung sondern die Umarmung. Er weiß um die seelische Bedeutung des sich Umarmens für das Paar und entlässt uns nicht daraus: Wir können beim Tango wie in der Liebe nicht weg. Wenn wir die Liebe behüten wollen und auch schön miteinander tanzen wollen, dann kommen wir nicht umhin uns so wie wir sind aufeinander einzulassen.

Was verlangt der Tango von uns und was gibt er uns?

Führen und Folgen ist essentielle und tief erfüllend, wenn es fließend gelingt.
Führen im Sinne ich gebe vor und Du musst folgen wie ich es will berührt Macht und Unterwerfung in der Erfahrung. Die Wenigsten wollen das und doch: es gibt Situationen und Zustände in die wir kommen, wo wir uns berechtigt fühlen darauf zu bestehen: Du führst nicht, Du folgst nicht! Du machst es nicht richtig! Dann wird es ein Kampf und ein Wissen, wer Schuld daran ist, dass ich jetzt nicht so schön tanze und mich fühle, wie ich es ersehne, nämlich Du, ist implizit darin enthalten. In diesen Zuständen spüre ich nicht mehr die Schönheit der Musik, lasse mich nicht verzaubern, sehe meinen Partner eingeschränkt und bin selber verengt. Ich kenne einige Paare, die dann sagen, “ich kann das nicht mit dem Tango“ und aufhören.

Der Tango scheint von uns zu verlangen aus diesen Gewohnheiten herauszutreten. Er konfrontiert sie damit wir freier von ihnen werden und ihn tanzen können, vielleicht sogar mit ihnen tanzen können. Und er gibt uns sein weises Wissen um das „Wie“, welches in ihm präsent ist. Das oft schwierige und schöne Geheimnis seiner Magie: Einander umarmen und einander zugewandt sein, auch wenn es schwierig wird und wir uns verloren haben.

Wie lernen wir an diesen Stellen, an denen wir etwas nicht können, die Seele eine Sehnsucht hat und der Körper was tun will, was er noch nicht kann. Wir kommen wahrscheinlich unbemerkt in eine Überforderung und das wirkt bedrohlich. Für gewöhnlich schließen wir uns dann und das bestätigt unsere Erfahrung: „ich kann es nicht“. Aus meiner Erfahrung ist es ein Lernen, was über das mehr und mehr Üben hinausgeht.

Wir brauchen beim Tango lernen einen geschützten Raum in einer Atmosphäre die frei von Urteilen ist. Und wir brauchen einen Raum in der Partnerschaft, den wir sicher genug halten, dass wir an den Stellen, wo wir seelisch oder körperlich etwas nicht können und an denen wir verletzlich sind ein Risiko eingehen können und uns damit einander zumuten, offenbaren. Dieser Raum wirkt wie eine innige Umarmung, die uns entspannen und auf einer tieferen Ebene einander verstehen lässt.

Das erstaunliche ist, dass etwas in uns dann Vertrauen fasst und auch der Körper sich mehr öffnen kann, dem was er noch nicht kann und es dann plötzlich auf eine ganz eigene Weise gelingt. Jeder Körper ist einzigartig und jeder hat seine individuellen Einschränkungen, doch das ist dann nicht mehr so entscheidend. Paare können mit der Liebe und dem Wissen umeinander ganz verbunden Tango lernen und tanzen. Das ist sehr berührend zu erleben.

Was bietet dieser Raum dem Tango lernen an? Präsenz

Aufeinander achten
Nonverbale Impulse verstehen und beantworten können
Ein fliessendes Führen und Folgen
Miteinander Sein lernen auch wenn es schwierig wird
In einer eigenen seelischen und körperlichen Achse sein
lernen, was wir noch nicht können ohne Forderung und Vorwurf
Hingabe ohne Macht und Unterwerfung
Lieben

Der Tango Argentino ist Weltkulturerbe! Er gibt neben der wunderbaren Musik und dem Tanz der Welt die Kultur der Umarmung, eine Kultur der Liebe!

Ich liebe die innere und äußere Bewegung von meinem Mann und mir, am Beginn der Musik, wenn unsere Achsen nur Millimeter, doch spürbar eine wunderschöne Präsenz aufbauend, zueinander hin fallen und jeder im Spielraum der eigenen Achse die Berührung der Körper geniesst. Sie sagt auf seelischer Ebene: Ich bin da, ich liebe Dich und ich überlasse mich mit Dir dem Tango. In dem Moment geht etwas auf, wird weiter in mir, gibt sich spürend, lauschend, fühlend voller Freude hin und der Tango wird zu unserer getanzten Liebe, nicht wissend, wohin er uns führt, wir folgen ihm…

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